Knapp jeder fünfte Deutsche schaut fern und surft gleichzeitig im Web. Das ergab der kürzlich veröffentlichte „Media Multi-Tasking 2009“ Report der European Interactive Advertising Association (EIAA). Die Mehrheit der deutschen Parallelnutzer ist demnach – ebenso wie in ganz Europa – jünger als 35 Jahre. Eine Klientel, die das Web 2.0 besonders intensiv nutzt, in Communities aktiv ist und sich im Web vernetzt. Was liegt also näher, als dieser Zielgruppe ein Format zu präsentieren, das Hintergrundinfos zum TV-Programm liefert, sich dem aktuellen Programm anpasst und seinen Nutzern eine Plattform zu Austausch bietet.

Mit tvister hat die Deutsche Telekom im Sommer dieses Jahres einen TV-Programmbegleiter der neuen Generation an den Start gebracht: eine Web-Plattform mit diversen Informationen rund um Fernsehprogramme, die mehr bieten soll, als die etablierten Programm-Guides. Der virtuelle Programmbegleiter wurde für die zeitgleiche Nutzung von TV und Internet entwickelt und orientiert sich dabei an den Bedürfnissen seiner Nutzer.
Sendungen kommentieren und bewerten
Im Gegensatz zu den üblichen Web 2.0-TV-Plattformen stellt tvister aber nicht eine Community in den Vordergrund: Das Angebot soll Web-und-TV-Parallel-Nutzer dabei unterstützen, sich im Fernseh-Dschungel zurechtzufinden. Daher setzt man auf eine enge Verzahnung mit dem tatsächlichen TV-Programm. User können auf der Web-Plattform das Fernsehprogramm nach Hintergrundinformationen zu Sendungen oder Stars durchsuchen, ihr eigenes Profil erstellen, Sendungen kommentieren und bewerten. Per Erinnerungs-Funktion wird man dann automatisch an neue, zu eigenen Profil passende Sendungen informiert. Empfehlungsfunktionen erleichtern es, sich mit anderen Nutzern zu vernetzen.
Noch befindet sich die Plattform in der Beta-Phase. Erst Mitte September ging der Bereich mytvister online, der persönliche Profile und Empfehlungen erlaubt. Eine Personalisierung ist auf zwei Wegen möglich: Zum einen aktiv durch die Vorgaben des jeweiligen Mitglieds. Zum anderen wird das Angebot durch das eigene Nutzungsverhalten auch passiv personalisiert.
Info-Texte liefern die Namen der Schauspieler
Vor allem lebt das Angebot von seinen Zusatzinformationen. So enthält das Fernsehprogramm für die jeweils kommenden drei Wochen unter anderem Infos über weitere Sendetermine, verwandte Sendungen, thematisch passende Videoclips und Bilder, News sowie Links zu weiterführenden Informationen. Alle Sendungen sind getagt, das erleichtert die Suche. Die begleitenden Info-Texte liefern zudem die Namen der Schauspieler, die in einem Film vorkommen. Ein Klick auf einen Schauspielernamen enthüllt dann, in welchen Filmen, Serien und Sendungen dieser noch mitspielt.
Kleiner Wermutstropfen für Ästheten: Die Seite wird vermarktet, enthält also Werbebanner. Das hat für Nutzer aber einen großen Vorteil: Das Portal ist komplett kostenfrei. An einer Twitter- und Facebook-Integration wird gearbeitet. Wie eine solche Anbindung aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Eine mobile Version des Angebots ist ebenfalls geplant.
Widget für Net-TV geplant
Mittelfristig möchten die Betreiber tvister ins Fernsehen bringen. So tüfteln die Programmierer bereits an einem Widget für das Net-TV, einem Internet für TV-Geräte. Viele Fernsehgeräte-Hersteller wollen das Web ins Wohnzimmer holen und arbeiten daran, die modernen Flimmerkisten internettauglich zu machen. Zusatzgeräte sind dafür dann nicht mehr nötig. Die Internetangebote müssen allerdings auf die Bedienbarkeit für Fernsehzuschauer angepasst werden. Auf solchen Seiten kann man dann mit seiner Fernbedienung surfen.