Die beiden Kontrahenten Google und Bing wetzen weiter die Messer und wollen mit ständig verbesserten Such-Ergebnisssen brillieren. Für die Nutzer auf den ersten Blick eine gute Sache, aber es hat auch unerwartete Nebeneffekte: Denn so leicht lassen die Internetgiganten niemanden mehr von dannen ziehen, der einmal ihr Universum aus Spezial-Suchen und Services betreten hat.

Wer bei Google sucht, bekommt viele Treffer von eigenen Diensten angezeigt
Videos von Youtube, Standortkarten aus Google-Maps, Nachrichten von Google News, Ergebnisse der Google Bilder- und Blogsuche oder zur Anfrage passende Waren aus der hauseigenen Produktsuche. Still und heimlich verortet Google das World Wide Web in einem Google-Universum und spickt die begehrte erste Suchergebnis-Seite mit Treffern aus den eigenen Diensten.
Google nennt es Universal Search und bietet seinen Nutzern immer mehr Suchtreffer aus der eigenen Galaxis: Mittlerweile drängen so viele Spezialdienste auf die erste Seite, dass man bei manchen Begriffen mächtig scrollen muss, um auch Suchtreffer Nummer zehn zu Gesicht zu bekommen. Doch die smarten Jungs haben ernsthafte Konkurrenz bekommen.
Bing treibt diese Entwicklung auf die Spitze
Bing schickt sich an, Googles Universal Search en passant zu schlagen und treibt diese Entwicklung sogar auf die Spitze. Wer verreisen möchte, klickt auf der US-Startseite der neuen Suchmaschine beispielsweise einfach den Menüpunkt Travel an. Auf der nächsten Seite Abflug und Ankunftsort sowie Reisezeit eingegeben, schon sucht Bing passende Flüge. Die komplette Reiseplanung läuft unter Bing.com. Die Ergebnisse sind kategorisiert nach Zeiten, Zwischenstopps, Airlines, Flughäfen, Flugdauer und den Preisen. Erst zur Buchung wird der Nutzer von der Suchmaschine entlassen und der jeweiligen Airline übergeben.
Auch wer via Bing ein Hotel in New York sucht, findet nicht nur eine Kartendarstellung zur geografischen Lage, sondern diverse Kategorisierungen: Fitness-Center, Swimmingpool und Internetanschluss sind ebenso Selektionsmöglichkeiten wie der Name der Hotelkette oder die Preiskategorie. Die amerikanische Pendants von Websites wie Hotel24 oder HRS sind damit für den Bing nutzenden US-Bürger überflüssig. Selbstverständlich können sich Reiselustige ihre potenziellen Unterkünfte auch aus der Vogelperspektive betrachten: sowohl als Satellitenaufnahme als auch in Form eines schrägen Luftbildes. Noch sind diese Dienste leider – oder aus Sicht von HRS & Co. eher zum Glück – nur in der US-Version von Bing vorhanden.

Bing liefert auch ausführliche Hotelinfos
Internet-User dürfen sich insgesamt über mehr Suchkomfort und bessere Entscheidungshilfen freuen. Neben der bequemen Suche führt diese von Google und Bing forcierte Entwicklung aber auch zu einem: Der Nutzer taucht in das Universum von Microsoft oder in das von Google ein – tiefer denn je.
Erinnerungen an die Anfangszeit des Netzes
Parallelen zur Entstehungszeit des kommerziellen Internets tun sich auf: 1994 sortierten die US-Studenten David Filo und Jerry Yang die damals noch überschaubare Anzahl an Websites nach einer thematischen Hierarchie. Es war die Vorstufe der heutigen Suche. Ein Jahr später gründeten sie Yahoo. In Deutschland war das Internet zu jener Zeit noch hauptsächlich eine geschlossene Veranstaltung. Zutritt zu AOL hatte beispielsweise nur, wer eine proprietäre Zugangssoftware nutzte und sich entsprechend einwählte. Dann konnte er munter über diverse AOL-Angebote und weitere ausgewählte Inhalte von diversen Partnern surfen. Es gab zwar auch Seiten außerhalb dieser Welten – aber warum hätte man sie ansteuern sollen?
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