Die Bundestagswahl steht kurz vor der Tür und das „TV-Duett“ sowie die Reaktionen darauf zeigen, dass längst nichts entschieden ist. Die Stimmung während des „Duells“ war wenig kämpferisch, seitens Merkel sogar eher siegessicher. Die Kandidaten scheinen sich an die große Koalition gewöhnt und auf eine Fortsetzung dieser eingestellt zu haben. Beide trällern im Chor, wie sie es seit vier Jahren Regierungstrott tun: Mehr Arbeitsplätze durch Förderung der Entwicklung regenerativer Energien und neuer Antriebstechnologien, mehr Geld in Bildung und Forschung stecken sowie Familien entlasten, um das Wachstum zu fördern. Was nun reine Lippenbekenntnisse oder tatsächliche Konzessionen sind, bleibt wie bei jeder Wahl abzuwarten.

Doch wie informieren sich die potenziellen Wähler im Jahre 2009 und welche meinungsbildenden Faktoren beeinflussen ihre Entscheidung? Interessant ist, dass gerade für die jüngere Generation der 18- bis 29-Jährigen das Internet in Sachen Politik als Informationsquelle Nummer eins gilt. Eine Forsa-Studie stellt fest, dass für 44 % der Wahlberechtigten keine Partei ohne Interneteinsatz gewinnen kann. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer dazu: „Das Internet wird zum zentralen Medium für die Kommunikation zwischen Politik und Bürgern. Die journalistische Kompetenz der klassischen Medien setzt sich auch im Internet durch. Blogs und soziale Online-Netzwerke werden für die politische Kultur immer wichtiger, weil sie eine direkte Interaktion zwischen Bürgern und Politikern ermöglichen.“
Warum nicht Online-Wahlen abhalten?
Die Popularität des Internets wirft die Frage auf: Warum nicht Online-Wahlen abhalten? Wenn es nach den 47 % der wahlberechtigten Bürger in Deutschland ginge, wäre das wünschenswert. 40 % der Wahlberechtigten möchten direkt an Entscheidungen via Web partizipieren. Bedenken gibt es noch bei den Sicherheitsvorkehrungen: 36 % äußern Sicherheitsbedenken, befürchten sogar Wahlfälschung. Mehr als die Hälfte (54 %) haben Sorge um ihre Daten.
Sind die Sicherheitslücken erst einmal geschlossen und alle Anforderungen an eine demokratische Wahl erfüllt, könnte eine Internetwahl der weit verbreiteten Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit entgegenwirken und somit die Wahlbeteiligung erhöhen. Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner ist der Meinung: „Wenn die Stimmabgabe per Internet technisch sicher ist, könnte das bisherige System der Briefwahl abgelöst werden. Das wäre eine erhebliche Verbesserung, da die Briefwahl den Grundsätzen einer ‚normalen‘ Wahl widerspricht“, denn: „Aus der Entscheidung an einem Stichtag wird eine Abstimmung, die sich über mehrere Wochen hinzieht. Niemand kann kontrollieren, wer überhaupt Briefwahl beantragt und den Stimmzettel letztendlich ausfüllt“. Im Ausland wurde das sogenannte I-Voting bisher nur in Estland und der Schweiz in Kommunalwahlen eingeführt. In Deutschland befindet sich das Vorhaben bislang noch auf der Forschungsebene.