Das Gezwitscher auf Twitter war Google schon lange ein Dorn im Auge, sogar Übernahmegerüchte machten bereits die Runde. In Sachen Echtzeitkommunikation und Social Web drohte Google eine Entwicklung zu verschlafen. Nun ist klar: Im kalifornischen Mountain View hat man nicht geschlafen, sondern hart gearbeitet: Das Google-Imperium schlägt zurück, steigt selbst im großen Stil in die digitale Echtzeit ein: Mit Google Buzz wurde eine neue Stufe der Rakete Social Web gezündet. „Meine Freunde können mich nicht nur darüber informieren, was sie gerade frühstücken, ich kann sogar sehen, wo sie es essen. Es lebe das Internet“, twitterte kürzlich einer der ersten Google Buzz Nutzer. Diese Aussage zeigt, was den Leuten im Web heute wichtig ist. Man möchte auf dem Laufenden bleiben, sich auch über Belanglosigkeiten austauschen. Überall.

Mit dem neuen Buzz können Nutzer des Google-Mail-Dienstes Gmail untereinander in Echtzeit kommunizieren. Gmail wird damit zu einem gigantischen sozialen Netzwerk, das mit einem Schlag weltweit präsent ist. Wie in anderen sozialen Netzwerken kann man allen Nutzern oder geschlossenen Gruppen Nachrichten, Status-Updates oder Weblinks schicken. Auch Fotos oder Videos können mit Freunden geteilt werden, denn die Lösung wurde als offenes System entwickelt und unterstützt bereits jetzt die Integration von Picasa, Google Reader, YouTube, Flickr, Blogger und Twitter. Die Nachrichten werden im Gmail-Account angezeigt.
Postfach wird Kommunikationsmaschine
Buzz nutzt die bestehenden sozialen Kontakte in Google Mail und schlägt Freunde auf der Grundlage der bisherigen E-Mail- und Chat-Geschichte vor. Dass der neue Kurzmitteilungsdienst so eng mit Googles E-Mail-Dienst gekoppelt ist, könnte sich als raffinierter Schachzug, aber auch als Fallstrick erweisen. Vor allem hierzulande sind viele User in Sachen Gmail skeptisch, fürchten um ihre Datensicherheit. Auch im Web werden erste Stimmen laut, die sich darüber ärgern, dass Google Buzz nicht frei zugänglich ist, sondern nur von Gmailern genutzt werden kann. Wer sich darüber ärgert, steht nun vor der Wahl: bei Google mitmachen oder bei einem neuen Social-Web-Knaller außen vor bleiben.

Letzteres dürfte vielen schwer fallen, denn Google Buzz wird auch für mobile Endgeräte angeboten. Damit lässt sich der Dienst nicht nur fernab des heimischen Computers nutzen. Außerdem spielt Google in der mobilen Version den Trumpf aus, der als Zukunft der sozialen Netzwerke gilt: Die Geo-Information: Der mobile Google Buzz kann beispielsweise dazu genutzt werden, Bars, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten in der Nähe zu identifizieren. Der eigene Standort wird automatisch via GPS ermittelt. Der Nutzer wählt dann einen interessante Lokalität aus und versieht sein mobiles Posting mit diesem Location Tag. Außerdem kann er lesen, was andere User über diesen Ort schreiben.
Mobil networken
Mit einer speziellen Applikation können Android- und iPhone-Nutzer die Statusupdates auch ins Telefon sprechen. Der Buzz lässt sich zudem als Layer in die mobile Google Maps-Lösung integrieren: Man kann sein Statusupdate dann direkt vom Layer posten und noch ein Handy-Vor-Ort-Foto hinzufügen. Außerdem lässt sich der Buzz in der Nähe anzeigen. Wer unterwegs ist, erfährt auf diese Weise, was gerade in unmittelbarer Nähe diskutiert wird. Mit seinem neuen Social Network attackiert Google nicht nur Twitter und Facebook, sondern auch ortsbezogene, mobile soziale Netzwerk wie foursquare. Schon bald wird sich zeigen, ob Google im Echtzeitweb ebenso dominant werden kann, wie bei der Suche.
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